Laufbericht Achenseeumrundung

Eine spontane Entscheidung: Gabi wollte ein Trainingswochenende fern ab von zu Hause. Nachdem wir unseren T5 verkauft haben, blieb nur eine Wahl, ein Hotel. Eine Idee war es dann, unseren Freund Dietmar zu besuchen, den wir beim Dolomiti Extreme kennengelernt haben, er wohnt in der Nähe des Achensees.

In unmittelbarer Nähe des Sees gab es keine Unterkunft mehr. Wir haben noch ein hübsches Hotel in Fügen am Eingang des Zillertals gefunden. Schnell gebucht und 2 Tage später ab ins Auto. Gerade mal knapp 2 Stunden Fahrt und wir waren da.

Mein Goldsteig 2017

zwar ist das Projekt Sieg oder mindestens einen Zeitverbesserung gegenüber beim Goldsteig 2015 gescheitert, dennoch bin ich um eine große Erfahrung reicher. Die Vorbereitungen zum Lauf liefen gut. Ich fühlte mich sehr wohl und ich dachte, einem Sieg kann nichts mehr im Wege stehen. Weit gefehlt, es gibt da einen Körper. Einen Körper, der mir bereits auf meiner zweiten Etappe signalisierte, das ihm ein Sieg egal ist. Auch ankommen war ihm egal. Ich hatte viele lange Läufe im Training absolviert. Mindestens 4 mal ca. 30km in der Woche, 2 Einheiten am Tag, dabei hatte ich nur kleinere, vernachlässigbare, Blessuren und trotzdem, es gibt Dinge, auf die kann man sich nicht vorbereiten.

Während ich diesen Bericht schreibe, stehe ich an der Strecke. Max der Schwede läuft am Fahrzeug vorbei. Läuft? Nein er quält sich und ich frage mich zwischenzeitlich wofür. Für ein T-Shirt? Natürlich für´s Ankommen, klar. Am ersten Tag bin ich als erster in Leuchtenberg angekommen, Kilometer 83, ich fühlte mich wohl und bin noch weiter gelaufen. Die nächsten 25 Km sollten etwas kompliziert werden, vor allem, da es mitten in der Nacht war. Aber auch das war unproblematisch. Es war ca. 03:00 Uhr als ich ins Bett gefallen bin.

Aufstehen um 07:00, die nächsten gut 100km abspulen. Doch da fingen die Probleme schon an. Ich hatte, mir bislang unbekannte Schmerzen im Oberschenkel. Es fühlte sich wie ein heftigster Muskelkater an, einen Muskelkater, wie ich ihn zuvor noch nie gehabt habe. Im Laufe des Tages fing dann mein Schienbein an zu schmerzen.

Die Treffen mit meiner Frau Gabi, die mich betreute, waren eine Wohltat. Mein Ziel bis Furth im Wald zu kommen, konnte ich aber nicht erreichen. Ich brach bei ca. km 80 den Tag ab. Essen und dann Schlafen. Der dritte Tag war die erste Etappe mit richtig viel Höhenmetern und schwierig zu laufendem Gelände. Er sollte hart werden. Kleiner Arber, Großer Arber und ein Abstieg, den ich bereits 2015 verflucht hatte. Ich kam als vierter des Gesamtfeldes in Seebachschleife an. Alles war noch möglich. Ich trank ein Glas Cola und lief weiter bis Zwiesel, dort stand Gabi und es war bereits sehr spät. Wieder das Tagesziel nicht erreicht. Ich mußte den Tag beenden. Die Schmerzen waren zu stark, die Müdigkeit zu groß. Ich wollte nicht mehr. Nur noch schlafen. Ich war zu diesem Zeitpunkt dritter.

Am nächsten Morgen aufstehen. Ich kam vor Schmerzen kaum aus dem Bett. Gabi hatte noch geschlafen. Ich lief los und kurze Zeit später traf ich den Spanier, der am Vortag an dritter Stelle gelaufen war. Ich lief ein paar km mit ihm, war irgendwann einige Meter vor ihm und konnte mich lösen. Ich habe ihn nicht mehr hinter mir gesehen. Als es zu regnen begann, machte ich eine kurze Pause, um mich in meine Nässeschutzbekleidung zu zwängen. Kurz darauf lief er wieder auf mich auf. Ich wollte mich nicht mehr antreiben lassen, da ich wusste, dass zu diesem Zeitpunkt beim Goldsteig noch alles offen ist. Bei Kilometer 20 ungefähr, wir liefen durch ein Filz (Moorgebiet) und ich betrat eine Holzblanke und rutschte weg. Beim Abfangen muß ich mir in meiner Hüfte bzw. am Oberschenkelansatz etwas gezerrt haben. Ich konnte nicht mehr laufen, jeder Schritt war eine Qual. Gabi stand in Siebenellen und ich wollte mich dorthin retten. Sie kam mir bereits entgegen. Im Camper dann endlich angekommen, versuchten wir die Muskulatur etwas auszudehnen. Ich zog mich um, um die feuchte Kälte fernzuhalten. Also weiter. Es ging tatsächlich wieder. 5 Kilometer und der Schmerz war wieder da. Ich rief Gabi an, ich muß eine Pause machen. Ich aß etwas und legte mich 20 Minuten hin. Ich wollte wenigstens das Ziel des Vortages, Mauth, erreichen, damit meine ursprüngliche Planung um maximal 24h Stunden verschoben wird und damit noch alles drin war, zumindest auf Platzierung zu laufen. Die nächsten 10 Kilometer waren eine weitere Quälerei und ich stellte mir immer öfter die Frage, was das ganze hier eigentlich soll. Ich wollte aber nicht enttäuschen, nicht mich, nicht Gabi, nicht meine Freunde, denen ich von der Möglichkeit eines Sieges vorgeschwärmt habe. Ich beschloss, in Mauth eine ausgiebige Pause einzulegen. Ich kam dort um 18:00 Uhr an. Gabi hatte Gyros und Fleisch vom Metzger besorgt. das sollte meine Stimmung heben.

Am nächsten Morgen, aufstehen um 04:30, ich fühlte mich ausgeschlafen und recht wohl. Das Tagesziel, 102 Kilometer mit Übernachtung an der Oberilzmühle kurz hinter Passau. Die  Schmerzen verdrängte ich vorerst. Ich mußte zuerst hoch nach Alpe, ich war stark am Berg, und war bei Ankunft am Checkpoint in der Zeitplanung. Also direkt weiter. Was man dort vergessen hatte, war, dass es für den folgenden Streckenabschnitt eine Ausweichroute wegen Baumbruch gab.

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Also stand ich kurz nach Philipsreut vor einem Umleitungsschild und hatte keinen Track mehr. Zuerst versuchte ich zurück auf den Goldsteig zu kommen. Keine Fußspuren. Ich war verzweifelt, sauer und wütend zugleich, hätte die, noch stehenden Bäume umbrüllen können. 3-4 Kilometer Umweg und keine Planung wie es weiter gehen soll. Ich rief Gabi an. „wo laufen die anderen lang?““auf einen orangenen Linie“ “was für eine orangenen Linie? einen Bundesstrasse oder sowas?““keine Ahnung“. Ich lief auf die Staatsstrasse, die ich 1km vorher überquert hatte zurück und dieser Strasse folgte ich einige Kilometer. Es war mir egal, ich fühlte mich verarscht, ich hatte tierische Schmerzen und keinen Bock auf Zusatzkilometer. Irgendwann in einem der folgenden Orte fand ich ein Goldsteigschild, dem ich dann wieder folgte. In Hammersmühle dann endlich einen erneute Pause und der Blick auf´s Handy, wo die anderen Läufer entlang laufen würden. Tatsächlich, eine orangene Linie, die vom Original-Track abwich. Anruf bei Michael „welcher Route folgen wir heute eigentlich? Was ist das für eine orangene Linie?“ “Das ist die Ausweichroute für den folgenden Streckenabschnitt. Hast Du den Alternativtrack nicht bekommen?“ Was für ein Ding, ein Alternativtrack? Kein, bzw. sehr langsames Internet ließen einen Download dieser Alternativroute unmöglich erscheinen. Da fuhr Joachim (auch ein Läufer, der schon früh aussteigen musste) an unserem Fahrzeug vorbei. Er hat bei uns angehalten und wir haben ihn auch nach der Alternative gefragt. Nach einigen Minuten war klar, dass wir den Track von seinem GPS-Empfänger auf mein Gerät transferieren können.

Ich lief weiter, aber meine Moral war im Keller. Die Schmerzen wurden trotz Ibuprofen nicht besser und ich wollte eigentlich jetzt schon nicht mehr weiter. Die Platzierung war mir jetzt eh schon egal. Also durchkommen. Irgendwie. Ich lief weiter. Es ging hoch nach Dreisessel. Die Alternativroute entlang, auf Asphalt. Kurz vor dem Gipfel lief ich auf Wolfgang auf. Quatschte mit ihm.

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Der Abstieg, ich bleib vorerst bei ihm, wollte nicht mehr alleine laufen, Reden lenkte mich von den Schmerzen ab. Schon beim Abstieg, alles voller Bäume. Wir mußten unten durch, oben drüber, aussen rum, es war einen Qual, da ich wegen meines Hüftbeugerproblems das Bein nur bedingt ohne Schmerzen anheben konnte. Nach unendlichen Höhenmetern im Abstieg waren wir endlich durch und konnten wieder laufen, wenn man das so nennen kann.

Treffpunkt mit Gabi bei Tageskilometer 50. Wolfgang lief weiter. Ich aß und trank, wechselte den Schuh. Also weiter,. Ich konnte nicht mehr laufen, meine Schmerzen im Bereich des Schienbeins ließen nur noch gehen zu und das nur unter Schmerzen. Glücklicherweise war Gabi noch dabei. Sie lief zurück und holte mir den vorigen Schuh. Ich wechselte wieder und es sollte wieder etwas besser funktionieren. Meine mentale Stärke schwand, die Schmerzen waren allgegenwärtig und ich konnte an nichts anderes mehr denken. Ich wollte den Schuh wechseln, da wir nun viel auf Asphalt liefen und ich bemerkte, dass ich an der Ferse einen Blase bekommen sollte. Das Ding zu tapen hatte ich vergessen.

Auf den nächsten Kilometern schwand meine Motivation. viel Asphalt und wenn Trail, dann lagen überall Bäume. Kurz vor Sonnen rief ich Gabi an, sie soll mich abholen. Sie trieb mich an, ich soll bis Hauzenberg laufen, also weiter. Ich lief irgendwann wieder auf Wolfgang auf, glücklicherweise. Wir blieben zusammen und machten in Hauzenberg gemeinsam Pause. Er konnte mich zum weiterlaufen überreden. Ich wollte auch wenigstens bis Passau kommen. Die nächsten 25 Kilometer sollten ewig werden. Ich dachte wir kommen nie an. Nach dem Checkpoint in Passau mußte ich noch ca. 5 Kilometer weiter, um an unseren Übernachtungspunkt zu gelangen. Also weiter. Gold00004.jpg

 

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In Oberiltzmühle angekommen, es war schon ca. 03:00 Uhr und ich war todmüde. Essen und ins Bett. Die Blase, die sich an meiner Ferse gebildet hatte, war alles andere als schön. Ich spielte nun mit dem Gedanken, den Wettkampf endgültig zu beenden. Erstmal schlafen, der Wecker stand auf 07:00 Uhr und als er klingelte, konnte ich meinen Augen kaum öffnen. Ich schlief sofort wieder ein und wachte erst um 09:30 Uhr wieder auf. Ich enschied, das Rennen abzubrechen. Ich wollte keine Infektion der Blase riskieren, da mir bewusst war, dass diese nicht zu bleiben würde. Wir fuhren zu einer Apotheke und kauften ein Desinfektionsmittel, um die Blase zu versorgen. Nachdem wir diese geöffnet hatten, habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Offen bis auf´s Fleisch, das wäre kein Spaß geworden und die Gefahr, einen Infektion zu bekommen, war nicht von der Hand zu weisen. In Kombination mit all meinen anderen Problemen, war es die richtige Entscheidung, abzubrechen, auch wenn das alles andere als leicht war. Zwischenzeitlich bin ich davon überzeugt, dass es richtig war, hier abzubrechen.  IMG_2385.JPG
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 Mein Fazit: Wie auch schon 2015 ein toller Lauf in einer tollen Gegend. Seitens der Veranstalter würde ich mir wünschen, dass für alle Teilnehmer die selben Bedingungn geschaffen werden. Das schließt den Informationsfluss mit ein. Wenn es Änderungen im Streckenverlauf, oder der Handhabung der Tracks und Routen gibt, dann müssen ausnahmslos alle Teilnehmer rechtzeitig darüber informiert werden. Die heutigen Kommunikationsmittel lassen das Problemlos zu. Ich sehe mich als Teilnehmer nicht in der Pflicht, Änderungen zu erfrfagen. Hierfür können ggf. die Checkpoints genutzt werden und einen einfache Liste hilft zu kontrollieren, ob alle Teilnehmer die erforderlichen Informationen bekommen haben.

Aus jetziger Sicht war es die richtige Entscheidung, dass ich den Lauf abgebrochen habe. Gesundheit geht vor und es warten noch viele schöne Läufe auf mich. Den schönsten Teil der Strecke konnte ich trotzdem laufen.

Bedanken möchte ich mich natürlich zu allererst bei meinem Schatz Gabi für Ihre Geduld, ihre hervorragende Betreuung und den Mut das riesige Wohnmobil sicher durch den Bayerischen Wald zu buxieren. Ebenso bei Wolfgang, der mich so lange Zeit begleitet und unterhalten hat. Auch möchte ich Joachim für seine Streckenbetreuung bedanken und Margot, die uns vor Passau abgefangen und sicher zum dortigen Checkpoint geführt hatte. Ich sage auch Karin und den Mädels in Wilchenreuth danke, tolle Streckenverpflegung, alle Wünsche erfüllt!

 

Sizilien -- Motta Camastra

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Vom 28.04. - 12.05.2016 haben wir uns nach Sizilien abgesetzt. Wir sind unserm Lieblingsvehikel untreu. Wir haben uns gegen die lange Anreise mit "Bussi" entschieden und sind diesmal geflogen. Das verschafft uns gut 4 Tage mehr Erholung. Beim nächsten mal wieder, versprochen.

Mein Zugspitz Supertrail 2015

Meine Frau Gabi hat vor knapp 3 Wochen in der Trailrunners Börse von einem Startplatz zum Salomon Zugspitz Supertrail 2015 gelesen. Da ich kurz vorher den Ultra Trail Lamer Winkel finishen konnte und es mir dabei nicht so schlecht ging, habe ich mich entschieden, den Startplatz kurzfristig zu übernehmen, danke Jonas.

Am 30.05.2015 fand der Dynafit Ultratrail Lamer Winkel in seiner ersten Auflage statt.

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Da die Startnummernausgabe nur am Freitag vorher erfolgt ist, mussten wir bereits am Freitag anreisen. Das ist aber mit Bussi kein Problem für uns. Im Bereich des Seeparks Arrach befand sich die Ausgabe der Startnummern, die Wege waren kurz, da ein Parkplatz direkt daneben war. Ich hätte mir bei der Anfahrt eine etwas genauere Beschilderung der Parkplätze gewünscht.

Hier stellen wir Urlaubsberichte zur Verfügung.